Stadtentwicklung

Leimens Stadtteile zukunftsfähig voranbringen durch eine ausgewogene Nutzungsmischung mit
hoher Aufenthaltsqualität, lokalem Identifikationswert und guten Wege­beziehungen zwischen den Einzel­handelslagen. Auch eine attraktive Baukultur und die Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit sind kraftvolle Zutaten für einen vitalen Ortskern.

von Michael Reinig, Holger Bortz und Julia Müller

Leimen-Mitte

Seit 1974, also seit nunmehr 45 Jahren, steht die Einwicklung des Leimener Ortskerns auf der Agenda des Gemeinderats. Mit der Schließung der letzten Baulücke oberhalb des Rathauses sehen die meisten das Mammutwerk als beendet an. Da sind wir durchaus anderer Meinung: Wir halten ein gut funktionierendes Leerstandsmanagement für dringend erforderlich, das auch vor leerstehenden privaten Gebäuden nicht halt macht, sondern diese in die Entwicklung des Stadtkerns miteinbezieht. Dazu gehören die leerstehenden Büroflächen des KCL genauso wie das Fernmeldegebäude oder das Brauereigelände.

Besonders im Hinblick auf eine Bewerbung um die Austragung einer Garten­schau in den 2030er Jahren gilt es unter Federführung der Kommunalen Entwicklungsgesellschaft:

  1. Stadtverwaltung und Brauereigelände-Besitzer an einen Tisch zu bringen, um Zuschussoptionen für die Renovierung des stadtbildprägenden westlichen Gebäudeteils aus den 1950er Jahren auszuloten,
  2. Investoren zu finden, beispielsweise für ein Tagungshotel, für eine Geschäfts- oder Dienstleistungspassage oder ein kombiniertes Konzept mit barrierefreiem Wohnraum, Büros, Werkstätten für Start-Ups, Handwerker, Kunstschaffende usw.

Das Brauereigelände liegt zumindest am Rande des Sanierungsgebiets und ohne Lösung für diese immer augenfälligere Ruine im Ortskern wird es hier auch keine zukunftsfähige Entwicklung geben, zumal sich hier aufgrund der Größe des Areals die besten Entwicklungsmöglichkeiten bieten.

Europawahlprogramm ➚
Seiten 185-187, Fördermittel und regionale Mitsprache

  • vereinfachter Zugang zu EU-Fördermitteln
  • ein gesichertes Mitspracherecht von Kommunen, Regionen und Nichtregierungsorganisationen bei europäischen Gesetz­gebungsverfahren und Förderprogrammen

Wir befürworten ausdrücklich die Realisierung eines Stadthauses gemäß dem städtebaulichen Wettbewerb von 2010. Vor drei Jahren wurde dies leider durch eine GroKo aus CDU und SPD verhindert. Damit wurden einige wichtige Nutzungsoptionen für dieses Gebäude (Post, Arztpraxis) verspielt. Nun gilt es unter erschwerten Bedingungen erneut einen Investor hierfür zu finden. Wir begrüßen dies, doch lehnen wir eine immens teure und vermutlich kaum genutzte Tiefgarage strikt ab. Dafür wünschen wir uns durch Bänke, Bäume und Wasserflächen mehr Aufenthaltsqualität am Rathausplatz. Vorrang hat für uns aber vor allem der Raumbedarf der Schule im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen, die Hortbetreuung und die Schulhofgestaltung. Sonderseite zum Rathausplatz »

Statt neben einer bereits bestehenden Tiefgarage eine weitere in die Erde zu buddeln, sehen wir in der Errichtung eines Parkhauses auf dem ehemaligen Postgelände eine weitaus preisgünstigere Variante zur Unterbringung des ruhenden Verkehrs, zumal der Stadtkern dann auch noch einmal von einer anderen Seite her erschlossen wird. Da sich das Postgelände im Eigentum der Stadt befindet ist hier eine Realisierung kurzfristig möglich. Unter Einbeziehung des Fernmeldegebäudes lässt sich hier der Bedarf an innerstädtischen Parkplätzen weitgehend abdecken.

St. Ilgen

Das Zentrum von St. Ilgen hat sich in den letzten Jahren durch öffentliche Fördergelder für private Investitionen äußerst positiv entwickelt. Auch die Stadt hat davon bei der Sanierung der alten Fabrik profitiert. Nun steht das Erdgeschoss leer. Durch ein Inklusionscafe könnten hier vielfältige Nutzungsmöglichkeiten geschaffen werden. Eine Begegnungsstätte für Jung und Alt mit der Möglichkeit für Kleinkunstdarbietungen, Ausstellungen und VHS-Kurse, alles natürlich barrierefrei.

Gauangelloch

Mit der Festlegung der Ortsmitte von Gauangelloch als städtebauliches Erneuerungsgebiet wurde im Gemeinderat bereits die Grundlage für umfassende staatlich geförderte Sanierungsmaßnahmen geschaffen. Nun gilt es die Missstände im Sanierungsgebiet auch zu beheben. Das bedeutet: Den Angelbach renaturieren, den Ortskern mit seinem typisch dörflichen Charakter erhalten, die Dorfentwicklung in Gauangelloch voranzutreiben, und zwar generationenübergreifend und familienfreundlich. Dazu gehören: altersdifferenzierte Spielplätze, Schaffung von Infrastrukturmaßnahmen für Senioren (betreutes Wohnen und ambulante Pflegedienste), ein Bürgerzentrum im alten Rathaus, Erhaltung einer fußläufigen Grundversorgung bzw. Schaffung eines mobilen Nahversorgungskonzeptes.

Der momentan in Gauangelloch stattfindende Leitbildprozess setzt hier bereits die richtigen Eckpunkte, um einem weiteren Ausbluten des Ortskerns entgegenzuwirken. Doch bedarf dieser Prozess noch größerer Unterstützung durch die Stadt, und zwar im Hinblick auf ein Leerstandmanagement oder auch was die Sicherstellung der künftigen Energieversorgung anbelangt. Hier fehlt noch ein schlüssiges Energiekonzept, wie veraltete Heizungsanlagen nachhaltig umgerüstet werden sollen, z. B. durch ein zentrales Blockheizkraftwerk.